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Der beste Weg gegen persönliche Krisen...

...ist ein voller Terminkalender.

 An diesem Spruch muss etwas dran sein, denn kaum habe ich etwas mehr Zeit zum Nachdenken gefunden, rutscht meine Stimmung ab.

Eigentlich läuft es für mich insgesamt sehr gut. Mein Bruder koordiniert meine Finanzen, sodass ich in einigen Jahren wohl Eigenheimbesitzer sein werde. Nachteil an der Sache, ich werde solange wohl noch zuhause wohnen bleiben müssen, was immer schwieriger wird. Meine Generation ist zwar in dem Ruf, viele Nesthocker zu produzieren, die mit über 30 noch zuhause wohnen, allerdings fühle ich "schon" jetzt mit 26, dass die Zeit zum Ausziehen überfällig ist. Es mag wohl auch daran liegen, dass ich schon mehrere Jahre alleine gewohnt habe und nach meinem Auslandsaufenthalt nach Hause zurückgekehrt bin.

Im Beruf habe ich gerade ein großes Projekt erfolgreich abgeschlossen. Der Kunde ist hochzufrieden und hätte gerne noch weiter gemacht, aber leider war sein Budget leergelaufen. Irgendwie bin ich aber doch froh, aus Frankfurt wieder weg zu sein. Die Stadt kann mich, auch wenn sie ja durchaus ihre Vorzüge hat, einfach nicht begeistern.

Heute ist bis auf ein paar Kleinigkeiten mein Umzug abgeschlossen.

Jetzt im Moment sitze ich auf meinem Bett, kann nicht schlafen und kriege meinen Nostalgischen...

Auch wenn ich nicht wieder in die Teenagerzeit zurück möchte, denke ich oft daran. Mein bester Freund meint, ich hätte Probleme, loszulassen; vielleicht hat er auch Recht damit... Zwar sehe ich nach vorne, habe Pläne für Karriere und Familie, aber ein Teil von mir sehnt sich doch wieder zurück nach dem sorglosen Leben. Keine Kreditraten für einen teuren Studienaufenthalt, keine Verpflichtungen, kein 8-Stunden Tag, keine zwangsweise Seriösität, beruflich nur sich selbst verantwortlich zu sein.

Vor ein paar Jahren habe ich den Film "Schule" gesehen und mir liefen doch einige Tränen das Gesicht runter. Ja, ich vermisse es, "meinen Wagen auf den Parkplatz zu stellen und gleich 20 Leuten in die Arme zu laufen, mit denen ich mein halbes Leben verbracht habe."

Es fehlt mir auch sehr, nach der Schule die Klamotten hinzuwerfen, zwei Stunden zu schlafen, wie ein Freak am Rechner herumzutüfteln und trotzdem noch die Zeit für ein paar sehr intensive Freundschaften zu haben.

Freundschaften

Die Einsamkeit ist in der jüngeren Zeit die häufigste Ursachen für Depressionen oder auch abgeschwächte Erscheinungen davon.

Darüber zumindest scheinen sich alle Experten einig. Besonders unter jungen Leuten ist Einsamkeit ein verbreitetes Phänomen. Als ich das damals, kurz vor der Abiturprüfung, gelesen habe, war ich sehr froh. Ich hatte fünf richtig gute Freunde, denen ich alles anvertrauen konnte. Und auch wenn ich damals pubertäts- und freizeitbedingt so manche persönliche Krise hatte, einer von ihnen war immer für mich da. Auch das fehlt mir. Man sitzt irgendwo zusammen, wo man ungestört ist, es ist dunkel und man labert bis spät in die Nacht.

Mir war damals nicht im Ansatz klar, was es bedeuten würde, wenn die Schule nicht mehr als Bindeglied dafür sorgt, dass wir uns jeden Tag wenigstens sehen. Das war mein halbes Leben so selbstverständlich gewesen, dass ich mir keine Gedanken darüber gemacht habe, wie es denn wäre, wenn sie nicht mehr so um mich sind. Auch ich wollte die Schule hinter mich bringen und endlich ins Leben starten. Aber sobald ich mich nach bestandenem Abitur wie eine Rakete aus meinem bisherigen Leben feuerte, hielt sie gnadenlos darin Einzug, die Einsamkeit.

Nein, meine Freunde habe ich alle fünf noch und nach wie vor können wir uns alles anvertrauen. Aber zunächst verstreuten wir uns über die ganze Welt. Mein bester Freund leistete seinen Zivildienst in Chile, ich selbst ging nach Paderborn. Meine beste Freundin begann direkt nach dem Abi ihr Studium und war seither in Gießen. Ein weiterer Freund lebte ja schon immer in der Gegend von Passau, 700km von mir entfernt - er war der allererste Mensch, den ich im Internet kennen gelernt habe und wir hatten es gemeinsam erkundet, uns schließlich einige Male real getroffen und sogleich blendend verstanden. Nur zwei von uns blieben halbwegs in der Gegend.

Nach dem Zivildienst kam ich zurück in meine Heimatgegend und fing an zu arbeiten. Das Zuhause, in das ich zurückkehrte war aber - nach nicht einmal einem ganzen Jahr - nicht mehr das, in dem ich aufgewachsen war.

Meine Freunde fehlten mir. Wir alle hatten schnell mehr oder weniger feste Beziehungen und waren beruflich oder im Studium voll eingespannt.

Die Zeit, in der jedes Gedankenchaos mit den anderen zusammen immer schnell geordnet war, war vorbei. Vorbei war auch das spontane anrufen und treffen. Alles musste geplant werden und jedes Treffen, ja sogar jedes Telefonat stand unbewusst unter dem Druck, etwas draus machen zu müssen, weil das nächste vielleicht länger auf sich warten ließ.

Neu war auch, dass man die Entwicklungen des anderen nicht mehr so unmittelbar mitbekam, dass man sie gar nicht wahrnimmt. Statt der obligatorischen Frage: "Was gibt's denn?" steht immer zuerst an, nachzudenken, was denn seit dem letzten Treffen alles passiert ist.

Es ist zwar immer angenehm, z.B. H. nach Langem wiederzutreffen und  wieder mit ihm zu reden, aber es bleibt immer der bittere Beigeschmack, dass die Bindung kein Selbstläufer mehr ist. Man muss jetzt viel mehr in eine Freundschaft investieren, um sie aufrecht zu erhalten.

Neue Freunde kennen lernen war für mich schwierig. Als die Zeit in meinem "Ausbildungsbetrieb" zuende war, flog ich für ein Jahr nach Island und studierte dort die Sprache und allgemeine Linguistik. Zwar habe ich auch dort einige Leute kennen gelernt, die ich sehr mag, aber das ist nicht vergleichbar mit den Freunschaften, die in der Schulzeit gewachsen sind.

Mit meinem besten Freund und Seelenverwandten H. habe ich sehr oft konstatiert, dass die Schulfreundschaften diejenigen sind, die am ehesten die Chance haben, so tief zu wachsen und das ganze Leben zu überdauern!

Unbeschwertheit

Was heute auch wieder in meinen Gedanken umherspukt, sind all die Dinge, die wir in Jugendlicher Verrücktheit veranstaltet haben. In der Mittelstufe saß ich die ganze Zeit neben einem Klassenkameraden, der zwar lange lange nicht so ein guter Freund war wie H., mit dem ich aber so viel Spaß hatte, wie mit sonst kaum einem Anderen.

Auch das fehlt mir heute. In der Oberstufe schloss er sich einer Clique an, die sich wöchentlich zu ihren Saufgelagen traf und mit der ich nichts anfangen konnte. Nach der Schule machte er eine kaufmännische Ausbildung und lebt jetzt irgendwo in der Nähe mit seiner Freundin zusammen. Er soll ziemlich "solide" geworden sein. Seit der Schule habe ich ihn nur noch einmal gesehen.

Zu Mittelstufenzeiten waren wir nahezu unzertrennlich. Wir teilten den Musikgeschmack und eine Vorliebe für derbe Scherze, meist auf Kosten der Lehrkräfte, des Schulinventars oder - wenn wir uns außerhalb der Schule trafen -von älteren Herrschaften, die sich zur Zielscheibe machten, indem sie abfällige Bemerkungen über die Jugendlichen fallen ließen.

Die Mittelstufe haben wir damit verbracht, diesbezüglich unsere Grenzen auszuloten, um sehr schnell festzustellen: wenn man es richtig anstellt, gibt es keine! Ein Axiom, das in der Schule tatsächlich gültig ist!

Ja, auch das ist etwas, das so nicht wieder kommen wird und an das ich oft wehmütig zurückdenke, als wäre ich 62 statt 26.

Kann man zu jung für Nostalgie sein?

Okay, manchmal komme ich mir echt so vor, wenn ich eine nostalgische Anwandlung habe. Ich würde sehr gerne wissen, ob es noch Anderen so geht.

Ob wohl noch jemand da draußen sitzt, der eine alte Werbung sieht, die ihn einstmals genervt hat und ihn heute seufzen lässt, weil sie in einem besonders schönen Sommer rauf und runter lief?

Schießen vielleicht sonst noch jemandem Tränen in die Augen, wenn sie nach 10 Jahren wieder ein Lied hören, das mal für ein paar schöne Tage ein Ohrwurm war und dann wieder vergessen wurde?

Mein Bruder (1 Jahr jünger) steht - zumindest äußerlich - sehr fest im hier und jetzt, das muss er als Banker auch sein, aber ihn scheinen mit der damaligen Zeit auch nicht so viele prägende Erinnerungen zu verbinden wie mich. Wenn ich ihn mit damals vergleiche, hat er in mehrerlei Hinsicht eine Wendung um 180 Grad hingelegt.

Für jeden Zeitabschnitt, oft sogar für bestimmte Ereignisse empfinde ich ein bestimmtes Gefühl, wenn ich daran denke.

So weiß ich z.B., dass mit 15 mein Nebenjob endlich genug Geld abwarf, dass ich mir einen eigenen Satellitenreceiver leisten konnte. Kurze Zeit später rauschte der Film "Striptease" in den Kinos an; ich habe ihn nie gesehen, den Trailer allerdings einige 100 Mal (gebe zu, damals war ich ein kleiner TV-Junkie - liebe Sagrotanmamas, geschadet hat's nicht, ich sehe heute fast gar nicht mehr fern). In dieser Zeit haben wir so gut wie jedes Borussia Dortmund-Spiel bei mir zuhause gesehen - wir nannten es "Borussenabend", auch wenn lange nicht alle bei uns BVB-Fans waren.

Vor drei Wochen lief die Musik aus dem Trailer von Striptease im Karstadt und ich hätte alles gegeben, noch einmal mit den alten Leuten einen Borussenabend zu veranstalten, die ich wohl nie wieder so zusammen kriegen werde.

3.2.07 04:33
 


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